TRUST #154
68 DIN A 4 Seiten; €2,50.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
www.trust-zine.de
Dolf liegt am Strand und verfasst nach dem “Work&Pleasure”-Verfahren seine Kolumne. Zahlreiche Kommas gehen dabei verloren, wie auch der verrückte Zustand ins Normale übergeht, überall auf
der Welt online gehen zu können und mobil erreichbar zu sein. Naja, fast. Bei zu viel Sonne kommt Dolf mächtig ins GRübeln und formuliert ein 2000 Jahre alten Gedankengang von Epikur. Kollege
Stone hat Tschechows “Die Möwe” gesehen und wähnt heutzutage bei dem Nachdenken über das menschliche Dasein ein übrig gebliebenes Feindbild. Jan himself surft im www und stolpert über das
Surfverhalten junger Mütter, youporn, digitale Hobbykeller, dirpy Projekt und wenn er noch Zeit hätte, würde sich Jan zum Thema “Der Doppelcharakter von HC-Punk, zwischen Emanzipation und
Regression, machen.
Stone indes will mehr Zeit investieren und mehr wissen über neue Gitarrenmusik “auf der Höhe der Zeit” und befragt BROKEN COLLECTOR nach dem, was Rock denn so ein könnte: enzyklopädisch, Spaß,
Dekonstruktion, Improvisation, was die Band müde lächelnd kontert und erklärt: “Das Beste am Musik machen ist Musik machen!” So einfach bringen das RED TAPE PARADE nicht auf den Punkt, machen
sich sehr viel Gedanken über Begrifflichkeiten wie “emo”. Oise sieht die Berechtigung für Schubladendenken auch darin begründet, dass sich Leute für alles begeistern, was einen Namen hat und
zeigt sich selbst ganz aus dem Häuschen bei 90er Jahre Ami-Punk/HC- Bands wie SNFU, LAG WAGON, SMASHING PUMPKINS, DINOSAUR JR., die Musik mit den Werten des DIY verbunden haben. Äh, naja! Patrick
macht dann eine ganze Reihe von Schubladen auf und bescheinigt THE MEN aus Brooklyn Einflüsse aus Drone, Post-Punk, Noise Rock, Kraut Rock, noisigem Hardcore, Shoegaze. Fehlt nur noch
kryptonische Volksmusik und finnisch-satanischer Churchrock. THE HIRSCH-EFFEKT singen über “Zoetrop” und “Kapitalismus und so, um das “an-die-eigene-Nase-fassen und haben auf keine der Fragen,
die “wir aufwerfen, eine Antwort”. Fast schon wie in der großen Politik.GUKDO aus Seoul,m Korea, tragen 7 Jahre alte 11Kio schwere Nietenlederjacken und fühlen sich oft missverstanden. Wenn sie
in Korea jemanden erzählen, sie spielen Punkmusik, “verstehen die Leute auch manchmal Funk. Das Problem kenne ich. Ich bin staatlich geprüfter Heilerziehungspfleger. In Gesprächen nach meinem
Berufsbild haben schon manche Heizungsverleger verstanden. Das NOEM Interview soll schnell eingeleitet werden und wird auch schnell wieder beendet, nachdem sich alle gegenseitig großen
Respekt zollen.
Viel aussagekräftiger und intensiver geführt ist das von Jan initiierte Gespräch mit Hudley Flipside, Mitherausgeberin des Fanzines FLIPSIDE von 1979 bis 1989. Wow, das sind mal interessante und
lange Einblicke in die Gedankenwelt. Kein Wunder, hat sie doch auch eine Autobiographie auf den Markt geschmissen und findet, dass sie nicht genug Anerkennung in der Punk/HC-Szene bekommen
hat.
Gesamteindruck: Anerkennend muss ich zugeben, dass mir an der Fülle der hier erwähnten Bands, die ich zum Teil nicht kenne, die Live-Gespräche gut finde, also der direkte
Austausch und Einflussnahme am Inhalt und Verlauf des Gespräches. DIY, Musik-Fach-Journalismus und Subkultur. So begeisterungsfähig sich die TRUST-SchreiberInnen im Interview auch zeigen, so
verkürzt reagieren sie im Review-Teil und analysieren subkulturelle Verhaltensweisen, theoretische Reflexion
über die musikalische Praxis selbst, das Denken über Musik. Insofern versucht sich das TRUST auch im Hinblick auf die Kolumnen als musiksoziologisches Fanzine, das das Grundmotiv des Musikhörens
herausfiltert (Aufklärung, Information) und den Zusammenhang nach Bedeutungszuweisungen erörtert. Somit entwickelt sich das TRUST mehr denn je zu einem Teil der