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TRUST #230
68 DIN-A-4 Seiten; €4,00.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Hamburger Str. 243, 28205 Bremen
https://trust-zine.de/
Dolf scheißt auf Debatten über PolitikerInnen-Personalien bei Neuwahlen und will lieber das „goldene“ Buch mit neuen Seiten füllen. Jan Röhlk covert sich durch die Kolumne und
weiß, dass Stefan Raabs „Brainpool“-Firma gleich neben dem John Hillerman-Proberaum liegt. Mika kommt zur Erkenntnis, dass Punk von heute keine geografischen Orte mehr braucht, weil sich bei den
sogenannten „Millennial Punks“ eh alles nur noch auf social media-Kanälen abspielt.
Jan und Herder sind mit Carsten und Daniel in Solingen außer KONTROLLE und plaudern über New Wave-Post-Punk-Einflüsse und über Bock haben auf dieses und jenes. Bela indes hält NOISE CHURCH aus Ulm für „einer derzeit besten und vielversprechendsten „Bands“, die nach Martins Aussage weniger dazu geeignet ist, nach einem langen Tag bei Cognac über die Liebe und den Kosmos zu sinnieren, als mehr im Friedhofspark bei Pommes und Bier gehört zu werden. Roland führt ein ausführliches Interview mit Oli und Basti von MELONBALL, die der Meinung sind, dass es rote Linien geben muss, aber auch einen Dialog, um Gleichzeitigkeiten zu akzeptieren und aushalten zu können, anstelle sich innerhalb der Community anzufeinden. Auch Thorsten von BUBONIX findet es schade, dass viel zu viel negativ kritisiert wird, „anstatt zu schauen, dass man in einer Szene ist“. EREMIT ist eine politische Band „auf verschiedenen Ebenen und beziehe sich seit Jahren auf real-politische Positionen und Bernhard von ENDING THINGS findet, dass eine Band Live-Shows spielen sollte, ansonsten mache es keinen Spaß. Zum Schluss serviert bela erneut einige subjektive ausgesuchte Perlen und spricht seine Empfehlungen aus für Powerpop-Bands, die er in einer Art Review auch begründet.
Gesamteindruck:
Das TRUST Fanzine zeigt einmal mehr, dass Punk weit mehr ist als nur Musik – es ist Haltung, Diskurs und stetige Selbstbefragung. Zwischen Noise-Church-Klängen, New-Wave-Post-Punk-Einflüssen und Powerpop-Perlen stellt sich die zentrale Frage: Was bedeutet Punk heute? Während Mika konstatiert, dass sich die Szene zunehmend in den digitalen Raum verlagert, plädieren andere für Live-Präsenz und den direkten Austausch. Zwischen Kritik an internen Grabenkämpfen und dem Wunsch nach Dialog und Akzeptanz bleibt eines klar: Punk ist und bleibt in Bewegung – und seine Bedeutung wird immer wieder neu verhandelt.