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FUTURE PRAWN – Liebeskummer und Reis

FUTURE PRAWN – Liebeskummer und Reis LP
FUTURE PRAWN – Liebeskummer und Reis LP

FUTURE PRAWN

Liebeskummer und Reis LP
La Pochette Surprise
Martin Manns Solo-Projekt FUTURE PRAWN bewegt sich auf „Liebeskummer und Reis“ in einem Spannungsfeld aus Avantgarde-Psych-Pop und dadaistischer Klangkunst, das sowohl betört als auch verstört. Die LP ist ein eigenwilliges Manifest des experimentellen Freigeists, das in unkonventionellen Arrangements und spielerischer Klangverzerrung seinen Ausdruck findet. Dabei trifft Wohlklang auf klangliche Irritation, konstruierte Melodie auf dekonstruierten Rhythmus – ein Wechselspiel, das den Kern der Platte ausmacht.

Das Coverbild, das sich mit seinem real-satirischem Flair nahtlos in das Klangbild einfügt, verweist auf die Spannung zwischen Pop-Affinität und avantgardistischem Klangchaos. So leicht und verspielt ein Stück wie Alexandra auch erscheinen mag, transportiert es zugleich eine tiefere Botschaft – einen solidarischen Pakt mit Frauen, die sich gegen Rollenerwartungen auflehnen. Hierin liegt bereits der essenzielle Kontrast dieser Platte: Süßer Wohlklang und NDW-inspirierte Pop-Seligkeit stehen im Dienst radikaler Inhalte, wodurch sich eine reizvolle Ambivalenz ergibt.
Das Album arbeitet mit Gegensätzen: Mal lockt es mit träumerischen Melodien, nur um diese kurz darauf in Dissonanzen aufzulösen. Es wirkt stellenweise wie ein Anti-Schlager, der zwischen ironischer Verneigung und gezielter Dekonstruktion oszilliert. FUTURE PRAWN inszeniert musikalische Brücken zwischen Art-Punk, WG-Küchen-Pop und schwebender Psychedelik, während sich Dadaismus in plötzlichen Brüchen und absurden Klangmischungen manifestiert. Die Leichtigkeit des Pop wird dabei immer wieder durch subtile Störgeräusche oder unerwartete rhythmische Einsprengsel konterkariert.
Mit „Liebeskummer und Reis“ gelingt Martin Mann eine faszinierende Gratwanderung zwischen eingängiger Pop-Sensibilität und bewusster Verweigerung klassischer Songstrukturen. Die Platte ist sowohl Hommage an die Düsseldorfer Schule als auch eine Neuerfindung derselben – ein charmantes und süffisantes Spiel zwischen Erwartung und Subversion zwischen Mettigel, Schampus und Dosenbier im 70er DISCO-Glitzer-Feeling.